Das Auto und der CO2-Ausstoß
Im Jahr 1998 hat die Europäische Autoindustrie in einer freiwilligen Verpflichtung versprochen, den CO2-Ausstoß von neuen PKW bis 2008 auf 140 g CO2/km zu reduzieren. Nachdem der europäische Umweltrat 1994 einen Grenzwert von 120g CO2/km schon für das Jahr 2005 gefordert hatte, war dies kein besonders anspruchsvolles Ziel. Dennoch hat diese freiwillige Verpflichtung der Industrie für die Umwelt nicht funktioniert: im Jahr 2006 lag der durchschnittliche Ausstoß von Neuwagen noch bei über 160 g CO2/km, in Deutschland sogar noch höher. Und auch heute ist er nicht viel geringer. Die „Selbstverpflichtung“ hat aber sehr wohl als Beruhigungspille für Politik und Wähler funktioniert. Denn beide konnten nun sagen und denken, dass bei den Autos in Sachen Klimaschutz schon etwas passiert – und setzen selbständiges Handeln zunächst aus.
Irgendwann aber merkte die EU-Kommission, dass die Autoindustrie ihr Ziel nicht wird erreichen können. Also machte sie den Vorschlag, orientiert an der freiwilligen Erklärung einen Grenzwert gesetzlich zu verankern. Daher wurde in der EU diskutiert, die Autoindustrie zu verpflichten, die durchschnittlichen CO2-Emissionen von Neuwagen bis 2012 auf 120 g CO2/km zu begrenzen. Das entspräche grob der Fortführung dessen, was die Autoindustrie für 2008 versprochen hat. Da der Klimawandel seit 1998 deutlich an Geschwindigkeit und Dramatik zugenommen hat und Klimaschutz keinen Aufschub verträgt, war das eine sehr großzügige Geste gegenüber der Autoindustrie.
Aber die deutsche Autoindustrie protestierte. Das große, schnelle und schöne deutsche Auto könne diesen Grenzwert nicht einhalten. Die Regelung würde den Untergang der deutschen Autoindustrie bedeuten. Flugs reagierten Gabriel und Merkel für die damalige Große Koalition und setzten in Brüssel durch, dass der Grenzwert bei 130 g CO2/km liegen sollte. Gegen den Willen der Kommission – und zum Schaden des Klimas, denn nach Gabriels Interpretation seien die 10 g CO2/km gar nicht so schlimm. Denn die sollen durch die so genannten Biotreibstoffe der zweiten Generation eingespart werden. Also großindustriell hergestellte Treibstoffe aus Biomasse. Von denen ist aber heute völlig unbekannt, wann sie wirklich kommen, was sie kosten und vor allem welche negativen Umweltauswirkungen sie wirklich haben. Vor diesem Hintergrund laufen die Umweltorganisationen Sturm gegen diese vermeintliche Ökotechnik. Mehr Effizienz wäre in jedem Fall möglich und für das Klima hilfreicher.
Grüne in Schleswig-Holstein

