20. April 2011

Strompreise – wie geht es weiter?

Der Atomausstieg ist dringender denn je. Die Risiken werden uns zur Zeit schmerzlich vor Augen geführt. Und auch für die Planungssicherheit und die Preisstabilität ist die Atomkraft ein Risiko. Atomenergie ist für uns alle viel zu teuer, der Ausstieg reduziert die Kosten und Gefahren.
Strompreise – wie geht es weiter?

Preisberechnungen

In einem Interview im Deutschlandfunk am 15.4. 2011sprach Bundeswirtschaftsminister Brüderle von Mehrbelastungen durch den schnelleren Atomausstieg von 1 bis 2 Milliarden Euro. Drei Milliarden kamen ihm sogar etwas hoch vor.
Wenn man also „ganz pessimistisch“ 3 Milliarden Euro Kosten pro Jahr annimmt, kann man dies auf die 530 Milliarden Kilowattstunden Stromverbrauch pro Jahr in Deutschland umrechnen. Dann zahlen alle Verbraucherinnen und Verbraucher 0,5 Cent je Kilowattstunde mehr. Die Energiewende würde so für einen durchschnittlichen Haushalt 1,50  Euro im Monat kosten.

Nicht vergessen darf man auch, dass die Erneuerbaren Energien die Strompreise an der Börse senken. Denn je mehr Ökostrom an der Börse gehandelt wird, desto stärker sinkt der Beschaffungspreis für die Energieversorger. Durch den sogenannten „Merit-Order-Effekt“  wurden 2009 nach einer Studie im Auftrag des BMU mindestens 3 Milliarden Euro eingespart. Dieser Effekt wird sich mit mehr Ökostrom in Zukunft verstärken und die Strompreisentwicklung dämpfen. Und Studien des BMU und DIW zeigen, dass trotz des Ausbaus der Erneuerbaren die EEG-Umlage in dem nächsten Jahrzehnt nicht steigen wird.

Panikmache mit Strompreisen durch AKW-Abschaltung

Horrorszenarien mit steigenden Energiepreisen dienen gleich zwei Zielen: sie sollen Stimmung schüren gegen einen schnellen Atomausstieg und auf zukünftige Strompreissteigerungen vorbereiten. Hierfür werden Zahlen immer wieder aus dem Zusammenhang gerissen: Zum Beispiel rechnen manche die Kosten der Energiewende statt über Jahrzehnte auf ein einziges Jahr um.

So geht das DIW zum Beispiel von 20 Milliarden Euro pro Jahr an Investitionskosten für die Energiewirtschaft aus. In der Presse wird aber gerne vergessen, dass für die Stromkunden solche Kosten–wenn überhaupt- über Jahrzehnte verteilt dem Strompreis aufgeschlagen werden.

Horrende Kosten werden auch gerne durch den Ausbau der Übertragungsnetze suggeriert. Doch für den Endkundenpreis spielen die Kosten der Übertragungsnetze so gut wie keine Rolle, heute machen sie gerade mal 2,5% der Stromkosten aus.

Energiekonzerne verdienen sich eine goldene Nase

Zahlreiche Preissenkungen an der Strombörse wurden nicht voll an die Verbraucher weitergegeben. Zusätzlich haben die Energiekonzerne sogenannte „Windfallprofits“ eingefahren: Sie haben Emissionshandelszertifikate auf den Strompreis aufgeschlagen, obwohl sie diese kostenlos zugeteilt bekommen hatten.

So streichen insbesondere die großen Atomkonzerne seit Jahren Milliardengewinne ein. Sie profitieren von dem nicht funktionierenden Wettbewerb auf dem Strommarkt. Abgeschriebene Atomkraftwerke haben den Strom nicht billiger gemacht, sondern die Gewinnmargen der Atomkonzerne erhöht.

Das Kartellamt stellte erst diesen Januar wieder fest, dass Anreize und Möglichkeiten für die vier marktbeherrschenden Unternehmen bestehen, den Strompreis zu manipulieren. Deshalb plant die Bundesregierung eine „Markttransparenzstelle“, die die Preise überwachen soll. Doch diese Stelle muss besser als geplant ausgestattet sein, um die Manipulationen aufdecken und bestrafen zu können. Und sie muss so bald wie möglich ihre Arbeit beginnen. Denn ansonsten besteht das Risiko, dass unter dem Deckmantel der Katastrophe in Japan die Energiekonzerne die Preise ungerechtfertigt erhöhen.

Erneuerbare sind billiger als Atomstrom

In der neuen http://ingrid-nestle.de/fileadmin/templates/colors/closed/new/tapete/images/link-ext.gifStudie „Was Strom wirklich kostet“ sieht man ganz klar: Wenn man die Umwelt- und Klimabelastungen hinzurechnet, kostet Windstrom uns 7,6 Cent und Wasserstrom 6,5 Cent. Strom aus Braun- und Steinkohlekraftwerken kosten 12,1 Cent und Atomstrom sogar 12,8 Ct/kWh. Wenn man also ganz ehrlich ist, sind erneuerbare Energien heute schon günstiger als konventionelle Energieträger.

Wenn man sich die Förderpolitik anschaut, sieht es ähnlich aus: So wurde zwischen 1970 und 2010 erneuerbarer Strom mit durchschnittlich 2,2 Ct/kWh gefördert, Braunkohle mit 1,2 Ct/kWh, Steinkohle mit 3,2 Ct/kWh und Atomenergie mit 4,1 Ct/kWh... <s> </s>

Und die Atomkonzerne weigern sich bis heute, ihre Atomkraftwerke zu versichern. Die Risiken für den Super-GAU trägt die Allgemeinheit. Atomenergie ist teuer, der Ausstieg reduziert die Kosten und Gefahren.