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Beschluss der „Ethik-Kommission Nordfriesland – BürgerInnen-Forum“ vom 18. Mai 11.
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Autochthone Minderheiten
Anders als bei zugewanderten Minderheiten liegen die Wurzeln der so genannten "autochthonen" Minderheiten in der Region, in der sie heute noch leben. Sie sind durch politische Grenzziehungen - nicht durch Migration - zu Minderheiten geworden. Im Rahmen verschiedener völkerrechtlicher Verträge wie der Europäischen Charta der Regional- und Minderheitensprachen und dem Rahmenübereinkommen verpflichtet sich die Bundesrepublik Deutschland, diese Minderheiten besonders zu schützen. So sind die Parteien der nationalen Minderheiten zum Beispiel von der 5%-Klausel befreit. In Schleswig-Holstein gilt dies für den Südschleswigschen Wählerverband, den SSW.
Schleswig-Holstein nimmt innerhalb der Bundesrepublik, aber auch im europäischen Vergleich eine absolute Vorreiterrolle ein. Vor allem die deutsch-dänische Zusammenarbeit in Minderheitenfragen gilt als beispielhaft.
In Schleswig-Holstein sind drei der vier autochthonen nationalen Minderheiten anzutreffen: Die dänische Minderheit, die friesische Minderheit und die Roma und Sinti.
Auch wenn Schleswig-Holstein weltweit Vorbild für ein friedliches Miteinander unterschiedlicher Kulturen ist, um das Spannungsfeld zwischen Wahrung der eigenen Identität auf der einen Seite und Integration in die Gesellschaft auf der anderen Seite lebendig zu halten, ist von allen Beteiligten immer wieder viel Engagement und Austausch gefragt.
Nach meiner Überzeugung ist die Einbeziehung von nationalen Minderheiten sowohl kulturell als auch wirtschaftlich eine große Bereicherung der Mehrheitsgesellschaft.
Dänische Minderheit
Die Bonn-Kopenhagen-Erklärung von 1955 sichert der deutschen Minderheit in Nordschleswig und der dänischen Minderheit in Südschleswig besonderen Schutz ihrer Kultur und finanzielle Unterstützun zu. Dazu gehören der uneingeschränkte Gebrauch ihrer Muttersprache, die Förderung des Schul-, Kultur- und Vereinswesens und das Examensrecht für Minderheitenschulen.
Heute sind die Grenzen zwischen Schleswig-Holstein und Dänemark kaum noch spürbar: Viele Menschen im Grenzgebiet sprechen deutsch und dänisch. Etwa 50.000 Menschen mit deutscher Staatsangehörigkeit bekennen sich in Schleswig-Holstein zur dänischen Minderheit. Sie leben vor allem in der Grenzstadt Flensburg, den Kreisen Nordfriesland und Schleswig-Flensburg sowie im nördlichen Teil des Kreises Rendsburg-Eckernförde. Die dänische Sprache und Kultur gehören heute zum Alltag im nördlichen Teil Schleswig-Holsteins.
Ob Vorträge in dänischer Sprache, Konzerte, Theateraufführungen oder Ausflüge und Besichtigungen - der Südschleswigsche Verein (Sydslesvigsk Forening) kümmert sich um ein breites Spektrum kultureller Aktivitäten. Er ist die kulturelle Hauptorganisation der dänischen Minderheit. Der Verein pflegt eine lebendige Verbindung zu Dänemark und den nordischen Ländern. Dank einer Vielzahl starker und selbstständiger Organisationen kann die dänische Minderheit in Schleswig-Holstein ihre eigenen Werte und Traditionen leben. Neben dem Südschleswigschen Verein und dem Dänischen Schulverein (Dansk Skoleforening for Sydslesvig) gibt es die dänischsprachige Tageszeitung "Flensborg Avis" und ein eigenes dänisches Bibliothekssystem (Dansk Centralbibliotek). Die evangelisch-lutherische dänische Kirche (Dansk Kirke) ermöglicht das kirchliche Leben der dänischen Minderheit im Land. Sozialstationen, Altenheime und Heime für Kinder und Jugendliche werden vom dänischen Gesundheitsdienst (Dansk Sundhedstjeneste for Sydslesvig) betrieben. Der dänische Jugendverband Südschleswigs (Sydslesvigs danske Ungdomsforeninger) organisiert die Kinder- und Jugendarbeit.
Kontakt:
Sydslesvigsk Forening e.V.
Norderstr. 76
24939 Flensborg
Tel. +49(0461)-144 08-0
E-Mail: info(at)syfo.de
Friesische Minderheit
Friesen leben im nördlichen Teil des Landes Schleswig-Holstein: An der Westküste, den nordfriesischen Inseln und auf Helgoland. Die Zahl derjenigen, die sich von Abstammung und Selbstverständnis her als Nordfriesen fühlen, wird auf etwa 50.000 Personen geschätzt - das ist etwa ein Drittel der Bevölkerung dieser Region.
Das Friesische ist eine eigenständige Sprache. Es gehört wie Englisch, Niederländisch und Deutsch zur westgermanischen Sprachengruppe. Neben Nordfriesisch gibt es noch das Westfriesische, das in der Provinz Friesland in den Niederlanden gesprochen wird, und das Saterfriesische im niedersächsischen Saterland. Nordfriesisch gehört zu den Minderheitensprachen, die von der Europäischen Charta der Regional- oder Minderheitensprachen geschützt werden. Es ist eine der kleinsten Sprachen in Europa. Annähernd 8.000 bis 10.000 Menschen beherrschen heute die nordfriesische Sprache. An ca. 30 Schulen in Schleswig-Holstein wird friesischer Unterricht erteilt. Es sind überwiegend Grundschulen. An den Universitäten Kiel und Flensburg kann Friesisch sogar studiert werden.
Als Dachorganisation der Friesen vereinigt der Interfriesische Rat die Nordfriesen und Ostfriesen in Deutschland mit den in den Niederlanden lebenden Westfriesen. Die zwei größten nordfriesischen Vereinigungen sind der Nordfriesische Verein e.V. und der Friisk Foriining. Sie sind Dachorganisationen zahlreicher kleinerer Ortsvereine und Gruppen. Alle nordfriesischen Organisationen arbeiten im Friesenrat Sektion Nord e.V. zusammen. Er ist der zentrale Ansprechpartner von Bund, Land, Kreis Nordfriesland und dessen Kommunen.
Von großer Bedeutung für die Pflege der friesischen Sprache, der Kultur und der Geschichte ist das "Nordfriisk Instituut" in Bredstedt als zentrale wissenschaftliche Einrichtung. Es versteht sich als Brücke zwischen Theorie und Praxis, zwischen Wissenschaft und Laienforschung. Das Institut ist vor allem auf dem Gebiet der Sprache, Geschichte und Landeskunde wissenschaftlich und publizistisch tätig.
Kontakt:
Friesenrat Sektion Nord e.V.
Geschäftsführerin Petra Hansen
Schmiedestraße 11
25899 Niebüll
Tel: +49 (0) 4661 900 8126
E-Mail: petrahansen(at)friesenrat.de
Sinti und Roma
In Schleswig-Holstein leben heute schätzungsweise 5.000 Sinti und Roma. Sie wohnen und leben vor allem in den Städten Kiel und Lübeck sowie im Hamburger Umland.
Immer wieder in der Geschichte waren Sinti und Roma Diskriminierungen ausgesetzt. Während der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft erlebten Sinti und Roma in ganz Europa systematische Verfolgung und Völkermord. Hunderttausende von ihnen wurden ermordet und ihr kulturelles Erbe wurde weitgehend zerstört. Über 500.000 Sinti und Roma fielen im besetzten Europa dem Holocaust zum Opfer. Auch etwa 400 schleswig-holsteinische Sinti und Roma kehrten aus den Lagern der Nationalsozialisten nicht zurück.
Heute leben etwa 60.000 deutsche Sinti und 10.000 deutsche Roma in der Bundesrepublik. Die kulturelle Identität der Sinti und Roma gründet in ihrer Sprache Romanes, ihrer Musik und dem Zusammenleben in großen Familienverbänden, aber auch in der Erfahrung jahrelanger Verfolgung. Romanes gehört zu den nach der Europäischen Charta der Regional- oder Minderheitensprachen geschützten Minderheitensprachen. Es handelt sich um eine eigenständige, aus dem altindischen Sanskrit stammende Sprache, die in verschiedenen Varianten gesprochen wird.
Zersiedeltes Wohnen widerspricht der Kultur der Sinti und Roma und bedroht ihre Sprache. So entstand der Wunsch nach einem Ort, an dem Sinti und Roma generationenübergreifend miteinander leben und ihre kulturellen Besonderheiten und ihre Sprache Romanes bewahren können - ohne sich von der Mehrheitsbevölkerung abzuschotten. Das in Kiel-Gaarden angesiedelte Wohnprojekt "Maro Temm" ist Ausdruck dieses Wunsches. "Maro Temm" ist Romanes und bedeutet "Unser Platz".
Kontakt
Landesverband Deutscher Sinti und Roma e.V.
Landesvorsitzender Matthäus Weiß
Geschäftsführerin Anna Weiß
Dorfstraße 11, 24146 Kiel
Tel.: 0431 12209-22/-23
E-Mail: lv.s-h.sinti-roma@t-online.de




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